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Auf Tuchfühlung mit dem All

von Hans Peter Lercher

Am Brunecker Cusanus-Gymnasium gibt es eine Astronomiegruppe. Zwei ihrer Mitglieder, nämlich Julian Durnwalder und Jan Damini Hofer, haben in den Weihnachtsferien an einem internationalen Astronomie-Workshop in Aosta teilgenommen.
Das Brunecker Cusanus-Gymnasium deckt mit seinen Schwerpunkten besonders die Naturwissenschaften und die Sprachen ab. Zusätzlich zum "normalen" Schulbetrieb gibt es am Cusanus-Gymnasium aber auch Arbeitsgruppen mit besonderen Schwerpunkten; dazu gehört die Astronomiegruppe unter Leitung von Fachlehrer Christof Wiedemair. Vor zwei Jahren hat die Gruppe zusammen mit der Berufsfachschule für Bautechnik des Berufsbildungszentrums Bruneck im oberen Pustertal auf 1.600 Metern Meereshöhe einen Beobachtungsposten weit abseits der Lichtverschmutzung des Brunecker Talkessels errichtet. Der genaue Standort des Beobachtungspostens ist aus Sicherheitsgründen nur Eingeweihten bekannt. Das dort eingesetzte Schulteleskops hat für die Hobbyastronomen einen Qualitätssprung bei der Beobachtung des Nachthimmels gebracht, wie Fachlehrer Wiedemair betont. Zudem arbeiten die Brunecker Astronomen mit der Universität Brüssel und dem estnischen Observatorium Tartu zusammen.

European Southern Observatory

Zwei besonders eifrige Mitglieder der Astrogruppe, nämlich Julian Durnwalder und Jan Damini Hofer, haben in den Weihnachtsferien sechs Tage lang an einem internationalen Astronomie-Workshop in Aosta teilgenommen. Und zwar an der Sternwarte in Saint Barthelémy. Die beiden haben sich im Herbst an einer Ausschreibung der Europäischen Südsternwarte beworben und wurden zum Camp zugelassen, wie Julian Durnwalder erzählt. Die Europäische Südsternwarte (englisch: European Southern Observatory/ESO) ist ein europäisches Forschungsinstitut, an dem 15 europäische Länder mitarbeiten und Teleskope in der Atacamawüste in Chile betreibt, wo aufgrund der trockenen Atmosphäre und geringen Luftturbulenzen ausgezeichnete klimatische Bedingungen für astronomische Beobachtungen herrschen. 2004 konnte dort mit Hilfe des Very Large Telescope das erste Bild eines extrasolaren Planeten aufgenommen werden. Im heurigen Sommer wird in Chile an einem extrem großen Teleskop gebaut, das ganz neue Aus- und Einblicke erlauben wird. Die Zentrale der ESO mit Verwaltung und Entwicklung befindet sich in Garching bei München.

Die hellsten Sterne

Das Alter der 57 Teilnehmer am Astronomie-Camp in Aosta, die aus 18 verschiedenen Ländern aus aller Welt stammten, lag zwischen 16 und 18 Jahren. Die Bedingung für die Teilnahme war ausgeprägtes Interesse an Astronomie. Die Bedingungen an der Sternwarte in Saint Barthelémy waren sehr gut, wie Jan Damini Hofer erzählt: „Das Teleskop hat einen Durchmesser von einem Meter und wurde erst kürzlich auf Vordermann gebracht. Zusätzlich gibt es dort sechs Teleskope, die für die Suche nach Exoplaneten genutzt werden.“ Diese Sternwarte ist eine Außenstation des astronomischen Instituts der Universität Mailand; beim Camp gab es folglich auch Fachvorträge von Astronomen aus Mailand. Nachts wurde der Himmel nach den hellsten Sternen abgesucht, die mithilfe der Spektroskopie den verschiedenen Spektralklassen zugeordnet wurden. Die Spektroskopie umfasst alle Methoden, bei dem das Energiespektrum einer Probe untersucht wird, indem Strahlung nach ihrer Energie zerlegt wird. Bereits 1814 entdeckte Joseph von Fraunhofer dunkle Linien im Spektrum der Sonne, die Fraunhofer-Linien, ohne allerdings ihren Ursprung erklären zu können. Julian Durnwalder: "Das Spannende am Workshop war die gute Verbindung von Theorie und Praxis."

Ein Hauch von Ewigkeit

Was macht den Reiz der Astronomie aus? Jan Damini Hofer: "Wenn man sich mit dem Weltall beschäftigt, taucht man gewissermaßen in eine andere Welt ein und es weht einen ein Hauch von Ewigkeit an, um es etwas pathetisch zu sagen. Zudem werden immer wieder neue Objekte im All entdeckt und ganze Sternensysteme, die dazu reizen, im Weltall weiterzusuchen. Das lässt einen schnell die Mühe vergessen, die es bedeutet, sich halbe Nächte bei der Beobachtung des Alls um die Ohren zu schlagen." Faszinierend ist laut Julian Durnwalder auch die Tatsache, dass sich in die Astronomie auch Amateure gut einbringen können: "Bei den aufwändigen Sternbeobachtungen leisten die Amateur-Astronomen seit jeher Pionierarbeit. Die Wissenschaftler haben gar nicht genug Zeit, die vielen Langzeitbeobachtungen zu machen."

Beide Schüler können sich durchaus vorstellen, nach der Matura Astrophysik zu studieren, auch wenn ihnen klar ist, dass es Berufe gibt, die bessere Zukunftsperspektiven bieten. Dafür sind zumindest die all-nächtlichen Perspektiven dieses Berufs fantastisch!

Wer sich für die Astrogruppe des Cusanusgymnasiums Bruneck interessiert, kann auf der Homepage http://www.astrocusanus.org Einzelheiten erfahren. Beachtung verdient auch der Youtube-Kanal „astrocusanus“.
 
 
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