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Gold an der Newa

Die Russischschüler der Klasse 4C des Cusanus-Gymnasiums Bruneck unternahmen eine Sprach-und Kulturreise nach St. Petersburg und tauchten einige Tage in das Leben einer russischen Großstadt ein.
Die Stadt Peters des Großen gilt als das Venedig des Nordens, als russische Kunststadt mit goldenen Kuppeln, strahlend bunten Fassaden und Türmchen. Wir stehen auf der Kuppel der Isaaks-Kathedrale und staunen. Der Wind weht und die Sonne bringt all das Gold noch mehr zum Glänzen. Rostige und schrottige Autos stehen neben neuen und modernen. Wir erblicken die goldene Nadel der Admiralität (eines der ersten Gebäude, das Peter der Große in seiner Stadt errichten ließ) und die Peter-und-Paul-Kathedrale, in denen die Zaren ihre letzte Ruhestätte fanden.
Unser Programm ist dicht. Von 8 Uhr früh bis 11 Uhr abends sind wir auf den Beinen. Es zieht uns von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten, wir sprinten von der Metro zur Elektritschka und kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Soviel Gold, soviel Schönheit, soviel Reichtum! Als wir durch die Zimmer des Katharinenpalastes geführt werden, fühlen wir uns um Jahrhunderte zurückversetzt. Manchmal wirkt der Prunk fast übertrieben. Die Säle sind in Gold getaucht. Zarin Elisabeth I. empfing hier ihre Liebhaber. Angeblich soll sie über 15.000 Seidenkleider besessen haben. Trotz ihrer aufwändigen Schönheitspflege fand sie die Zeit, zahlreiche Denkmäler und Paläste zu errichten. Böse Zungen bezeichnen sie als „Zarin vor dem Spiegel“, während die aufgeklärte Herrscherin Katharina die Große den Großteil ihrer Regierungszeit hinter dem Schreibtisch verbrachte und als deutsche Prinzessin das russische Großreich umsichtig regierte.


In den Sumpf gebaut

St. Petersburg ist wie ein offenes Museum, die Häuser und Ansitze stehen aufgereiht an der Newa und überbieten einander an Eleganz und Herrlichkeit. Auf den Brücken, die an Venedig erinnern, versuchen Händler beharrlich, die typischen Pelzmützen an die Touristen zu verkaufen, was aber nicht ganz einfach ist, da der Wettergott es in diesen Tagen gut mit uns meint. „Auf Schlamm und Knochen“, so heißt es, wurde die Stadt im Jahre 1703 erbaut. Als größenwahnsinnig wurde Zar Peter der Große bezeichnet, und seine Idee, eine neue Hauptstadt in diesem unwirtlichen Gebiet zu erbauen, galt als wahnwitzig. Immerhin musste das Sumpfgebiet rund um die Newa zuerst trockengelegt werden und viele Arbeiter ließen dabei ihr Leben. In tiefem Zinnoberrot, intensiven Blau-und Grüntönen und farbenprächtigen Kuppeln steht sie da, die Auferstehungskirche, auch Blutkirche genannt, errichtet im Gedenken an den Reformzaren Alexander II., der 1861 die Leibeigenschaft abgeschafft hat und dennoch hier zwanzig Jahre später einem Attentat zum Opfer fiel. In dieser Kirche bestaunen wir ungläubig die überlebensgroßen, bunten Mosaike an den Wänden und Kuppeln der Kathedrale.
Es ist Abend in St. Petersburg: Die Sonne versinkt und taucht die Stadt in ein magisches Licht. Wir sitzen im Mariinski-Theater, die Ballettaufführung „Giselle“ steht auf dem Programm – für viele von uns das Highlight der Reise. Mit dem Opernglas beobachten wir, wie die Tänzer Pirouetten drehen, auf Zehenspitzen zierliche Schritte machen und dem Zuschauer eine Geschichte von Liebe und Herzschmerz erzählen.
Am nächsten Tag fahren wir mit der Elektritschka zum Peterhof, der Sommerresidenz des Zaren, zum russischen Versailles, das seit 1990 auch zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört. Die Geschichte dieses Schlosses ist lang und tragisch, wollte doch die deutsche Wehrmacht 1941 die Anlage dem Erdboden gleichmachen, indem sie einen Brand legte und das Löschen unter Androhung der Todesstrafe strengstens verbot. Große Teile des Schlosses und der Parkanlage wurden rekonstruiert. Obwohl die Bäume kahl und die Brunnen noch leer sind, wirft uns der Anblick fast um: Gigantisch, überdimensional, einfach nur beeindruckend. Der Park - so groß, dass man Stunden gebraucht hätte, ihn zu durchqueren.


Trinksprüche

Doch nicht genug der Kunst: Ein Besuch des Winterpalastes mit der weltberühmten Eremitage ist ein absolutes Muss. Millionen von Bildern, Skulpturen, Schmuckstücke und Möbel großartiger Künstler sind dort gelagert, 60.000 davon sind ausgestellt und bilden mit den prächtigen Zarengemächern ein Gesamtkunstwerk. Stünde man vor jedem Ausstellungsstück nur eine Sekunde, bräuchte man 17 Stunden, sie alle anzusehen. Aber Kunst allein macht nicht satt. Im Restaurant sitzen wir vor Bliny, (Pfannkuchen in allen Variationen) und Piroggen (Hefegebäck mit Füllung), vor nahrhaftem Bortsch (Rohnensuppe) und Kascha (Griesbrei). Wir trinken Kwas (alkoholfreies, kohlensäurehaltiges Brotgetränk) und Mors (Beerensaft) und genießen die russische Atmosphäre. Ein Pub-Besuch zu späterer Stunde zeigt uns das andere Russland: Igor setzt sich an unseren Tisch und plaudert mit uns, auf Russisch natürlich. Er spricht über die Krim, die hohen Steuern, über russische Rock-Bands, über Unwahrheiten in den Medien und darüber, dass das Nationalgetränk Wodka mittlerweile von Rum und Whiskey verdrängt werde. Er bringt uns Trinksprüche bei und zitiert Goethe - und wir zitieren Puschkin.
Nächster Morgen, 10 Uhr: Wir stehen am Flughafen Pulkowo. In einer Stunde startet die Maschine Richtung Mailand, Richtung Alltag, Richtung Schule... In unserem Gepäck: Matrjoschkas, Tscheburaschkas, Wodkafläschchen und russische Pralinen. Wir erinnern uns an das erste Gespräch, das wir im Bus vom Flughafen ins Hotel auf Russisch geführt haben, wir denken an die Bestellungen in den Restaurants und Bars, an unsere Konversationen mit russischen Jugendlichen in der U-Bahn und freuen uns, dass der dreijährige intensive Sprachunterricht Früchte getragen hat.

Auf Wiedersehen, St. Petersburg! До свидания, Санкт-Петербург!

 
 
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