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Schulpartnerschaft mit dem Kreisgymnasium Riedlingen

Zu Gast in Stuttgart

Einige Schülerinnen und Schüler aus den Klassen 4cS und 4aR wurden im Rahmen des Projektes „Frauen im Widerstand“, das mit unserer Partnerschule, dem Kreisgymnasium Riedlingen in Baden-Württemberg, durchgeführt wird, zur Gedächtnisvorlesung ins Neue Schloss in Stuttgart eingeladen. ARGUS war vor Ort und lässt einige wichtige Eindrücke dieser denkwürdigen Veranstaltung Revue passieren.
Diese prominent besuchte Veranstaltung findet alljährlich zum Geburtstag von Claus Graf Schenk von Stauffenberg (geb. am 15. November 1907) statt und wird von der nach ihm benannten Stauffenberg- Gesellschaft und dem Haus der Geschichte Baden-Württemberg veranstaltet. Der Höhepunkt des Abends war die Rede von Dr. Axel Smend, dem Sohn des Widerständlers Günther Smend, der Teil der Gruppe um Stauffenberg war. Axel Smend war vier Monate alt, als sein Vater, der Widerständler Günther Smend, am 8. September 1944 von den Nationalsozialisten hingerichtet wurde. Axel hatte nie die Möglichkeit gehabt, seinen Vater kennen zu lernen und doch scheint es, als lebe Günther Smend nicht nur in Fleisch und Blut seines Sohnes, sondern auch in dessen Gedanken weiter. Um Gedanken ging es in erster Linie auch in der berührenden Rede von Axel Smend: „Gedanken sind Kräfte“, hieß ein kleines Büchlein, das sein Vater während der Haft vor seiner Hinrichtung bei sich trug. Der Name ist Programm. In der Rede Smends kommt er immer wieder auf die Kraft, die dieses Büchlein seinem Vater bis in die letzten Stunden geschenkt hat, zu sprechen und ohne dies explizit auszusprechen, merkt man, dass es dieselbe Kraft ist, die auch den Sohn durch sein Leben begleitet. Bei „Gedanken sind Kräfte“ handelt es sich um ein Büchlein, in dem motivierende Sprüche zusammengefasst sind, einige sind biblischen Ursprungs, andere stammen von Dichtern und Denkern wie Goethe und Schiller. Doch das Besondere in dem Büchlein ist noch was anderes: Es sind Notizen, die der Vater an seine Kinder denkend hineinschrieb. Axel Smend zitierte mit zitternder Stimme die Gedanken seines Vaters und je mehr er erzählte, desto mehr erschloss sich dem gebannten Publikum der Titel des Buches. Axel Smend sprach auch viel über die Zeit nach dem Krieg. Er erzählte, wie er sich zum ersten Mal mit dem Widerstand seines Vaters befasste. Der Anlass hierfür provozierte lautes Raunen im Auditorium. Er sei ein schlechter Schüler gewesen, erzählte Smend, und als seine Mutter einmal von einem Elternsprechtag in Tränen aufgelöst, was für sie untypisch war, nach Hause kam, erklärte sie ihm den Grund ihrer Tränen. Es waren nicht, wie zu erwarten gewesen wäre, die Noten oder sein Verhalten, es war die Aussage eines Lehrers. Dieser meinte nämlich, als er erfuhr, dass Axel Smends Vater im Widerstand tätig gewesen war, es sei kein Wunder, dass ein Verräterkind kein guter Schüler sei. Für Axel Smend, der zu diesem Zeitpunkt elf oder zwölf Jahre alt war, markierte dieser Moment eine Wende. Es war der Augenblick, in dem er seinen Vater über Gespräche mit seiner Mutter kennen lernen und den Widerstand gegen den Nationalsozialismus und dessen Folgen für die Widerständler verstehen wollte.
Als Günther Smend in Plötzensee hingerichtet wurde, war er 31 Jahre jung und in den sechs Jahren, die er verheiratet war nur 44 Tage mit seiner Frau zusammen. Und dennoch war er ihr durch mehr als 2000 Feldpostbriefe nahe.

Die Mitteilung seines Todes erreichte die Familie erst einen knappen Monat nach dem 8. September. Mit ihr kam eine Zahlungsaufforderung, die Spesen der Hinrichtung zu übernehmen. Es war vor allem die Respektlosigkeit und Verachtung, die das Leben der Witwe zudem erschwerte. Ihr stand bis Anfang der 50-er Jahre als Frau eines Verräters keine Rente zu, doch halfen ihr, wie auch anderen Hinterbliebenen, verschiedene Stiftungen durch finanzielle Zuwendungen.
Als sich die Betrachtung und Beurteilung des Widerstands im Laufe der 60-er Jahre ins Positive wandelte, begannen sich bis in unsere Zeit herauf immer wieder selbsternannte Widerständler diesen Begriff zu eigen zu machen und ihn teilweise ganz gegen den Sinn der NS-Widerständler negativ zu konnotieren.

Dieser Aspekt rückte in einer Zeit von Pegidamärschen im Laufe des Abends zunehmend in den Fokus. Im Anbetracht solch bedenklicher Phänomene des Widerstands will geht es Axel Smend vor allem darum aufzuklären und zu erklären, was Widerstand im Geiste seines Vaters ist. So waren seine Worte einerseits eine Art Selbstreflektion seines Lebens als Sohn eines Widerständlers, aber sie waren auch ein Appell an uns, den Widerstand und seine wahren Träger nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Und seine Gedanken, die großteils schon Gedanken seines Vaters waren, verfehlten ihre Wirkung bei den Zuhörern nicht. Gedanken sind wahrhaftig Kräfte.


Eeva Aichner 4cS


www.kgr-bc.de/frauenimwiderstand
 
 
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