Paketsteuer in Deutschland?

Der Onlinehandel schwächt Läden in den Innenstädten immer weiter. Durch die Pandemie wird diese Entwicklung noch schneller vorangetrieben. CDU-Abgeordnete in Deutschland möchten diese Situation nutzen, um den Einzelhandel zu stärken, indem sie eine Steuer für Pakete einfordern. Schon bis November hatte allein die Deutsche Post 1,6 Milliarden Pakete transportiert. Derzeit erwartet man mehr als elf Millionen Sendungen – täglich. Ein Abflauen des Hypes ist nicht zu erwarten, viele Verbraucher werden auch nach der Corona-Pandemie weiter online bestellen. Doch die Branche sollte die gute geschäftliche Situation für einige grundlegende Reformen nutzen. Trotz einiger, nicht nur gesetzlicher, Verbesserungen sind die Arbeitsbedingungen von Zustellern, aber auch von Packern nach wie vor schlecht. Ihre Tätigkeit ist hart, die Bezahlung unterdurchschnittlich, viele arbeiten nur mit Verträgen auf Zeit. Eine Steuer für Online-Händler ist wenig sinnvoll, da staatliche Eingriffe schlecht den allgemeinen Wandel verhindern können. Da müssen die Inhaber von Geschäften schon selbst aktiv werden, zum Beispiel indem sie ihr Angebot attraktiver machen oder die Preise so gut wie möglich anpassen. Wer wo einkauft, sollte jedem selbst überlassen sein.

 

Quelle: www.sueddeutsche.de/wirtschaft/paketsteuer-kommentar-1.5153834

 

Salome J. Bergmann, 4aS


Gesundheit ... oder Corona?

Meine Suche nach einem „Aufreger dieser Woche“, der nichts mit Corona zu tun hat, ist erfolgreich gescheitert. Soweit das Auge reicht dieses eine Wort, das ich nicht mehr hören kann. Die ganze Welt dreht sich nur noch um dieses Virus. Der Rest bleibt liegen, wird verschoben oder spielt keine Rolle mehr. Jede Schlagzeile beinhaltet … Corona. Jedes Gespräch mit dem Nachbarn dreht sich um … Corona. Auf jedem TV-Kanal fällt das Wort … Corona. Spätestens jetzt sind wir alle von diesem Wort mit den sechs Buchstaben genervt. Das Schlimmste: Im Gesundheitswesen behandelt man nur noch … Corona.

 Natürlich stellt dieses Virus eine große Herausforderung dar, betrifft uns alle und ist nun mal ein riesengroßes Thema. Ist es aber so gravierend, dass man andere Krankheiten vergessen darf? Laut dem „National Institute for Health Research“ (NIHR) der Universität Birmingham in England wurden in einem Zeitraum von zwölf Wochen weltweit 28 Millionen chirurgische Eingriffe aufgeschoben. 37,7 Prozent der Krebsoperationen wurden hinausgezögert, 82 Prozent der orthopädischen Eingriffe vertagt. Einige Krebspatienten berichteten, dass sie ihre Medikamente nicht mehr erhielten. In Altersheimen konnte die Grippeimpfung erst später als sonst verabreicht werden. Der Bevölkerung wurde vom Staat empfohlen, nur in äußerst schwerwiegenden Fällen die Notaufnahme im Krankenhaus aufzusuchen – nicht zuletzt, weil die Zeit zwischen der ersten und zweiten Corona-Welle nicht richtig genutzt wurde.

 Eine zweite Welle im Herbst war nicht auszuschließen und trotzdem bereitete man sich in den Krankenhäusern nicht ausreichend vor. Schon lange befinden sich die Kliniken am Rande ihrer Kapazitäten. Es mangelt an Personal, an Betten und an Sauerstoffflaschen. Vor allem im Süden Italiens, rund um Neapel, ist die Lage dramatisch – nicht nur für Corona-Patienten: Menschen sterben noch während der Einlieferung im Krankenwagen. Covid-Infizierte warten, an eine Sauerstoffflasche angeschlossen, endlos im Privatauto vor den Krankenhäusern auf ein freies Bett. Wäre das Ganze durch eine bessere Vorbereitung im Sommer nicht vermeidbar gewesen? Hätte man dadurch den Fokus nicht etwas von Covid-19 nehmen können? Na ja, hoffen wir, dass sich die Verantwortlichen auf die dritte Welle besser vorbereiten und so genug Zeit für die standesgemäße Behandlung der anderen Krankheiten bleibt. Corona soll kein Grund sein, andere Krankheiten aus dem Kopf zu verdrängen!

 

Lisa Passler, 3bS


Wo bleiben die Kinderrechte?

Im kommenden Jahr werden täglich 6.000 Kleinkinder mehr sterben als in den letzten Jahren – ein Plus von 1,2 Millionen Todesfällen. Die Zahl der Totgeburten wird um 200.000 zunehmen, so die jüngste Prognose des Kinderhilfswerkes UNICEF.

  Nein, diesen Kindern wird nicht der schwere Krankheitsverlauf von COVID-19 zum Verhängnis, sondern die Umstände, die aus der „Corona-Krise“ entstanden sind und entstehen werden. Die jüngsten Mitglieder der Gesellschaft leiden zwar großteils nur an milden Corona-Symptomen, umso mehr bekommen sie jedoch die negativen Begleiterscheinungen des Krisenmanagements zu spüren. Das Schicksal dieser Kinder beruht auf Unterernährung und fehlender medizinischer Versorgung. Zwar machen auch Kinder in Europa, in Italien, in Südtirol zurzeit viel mit, jedoch bewahrt sie die stabile politische und wirtschaftliche Lage der Länder vor dem Schlimmsten. Wenn man sich dagegen die Situation in einigen Entwicklungsländern ansieht, stockt einem der Atem. Millionen Kindern fehlt es an sauberem Trinkwasser, Nahrung und Kleidung. Kurz gesagt, ihre Kinderrechte werden verletzt. Genau daran soll der 20. November erinnern, dieser Tag wird den Kindern gewidmet. Vor 31 Jahren, 1989, verabschiedete die UN-Generalversammlung die UNO-Kinderrechts-Konvention. Darin versprachen beinahe alle Länder der Welt, sich für die Umsetzung der 54 Artikel über die grundlegenden Rechte eines jeden Kindes einzusetzen. Kinder dürfen niemals, unter keinen Umständen, vernachlässigt werden, heißt es darin. Ihr Wohl und ihre Menschenwürde haben oberste Priorität. Ihre Bedürfnisse müssen ausnahmslos überall auf der Welt gedeckt werden.

  Die nackte Realität sieht anders aus. Bereits vor dem Ausbruch der weltweiten Corona-Krise waren mehr als 356 Millionen Kinder von extremer mehrdimensionaler Armut betroffen, das heißt, ihre Bildung und ihr Gesundheit- und Lebensstandard entsprechen nicht dem Mindeststandard. Die Organisation „Save the children“ geht davon aus, dass diese Zahl um weitere 117 Millionen steigen könnte, vor allem in Entwicklungsländern in Afrika und im Süden Asiens. Aber auch in Europa nimmt die Armutsrate bei Kindern stark zu. Laut UNICEF verzeichnen fast 30 Prozent der Länder weltweit einen Rückgang medizinischer Maßnahmen wie Impfungen. Aufgrund von Arbeitsunterbrechungen in den nationalen Gesundheitsdiensten wurde zudem die Bekämpfung von Lungenentzündungen bei Kindern erschwert. Diese Krankheit fordert täglich fast 2.000 junge Kinderleben. Medizinischer Sauerstoff wird also nicht nur für COVID-19 Patienten benötigt, sondern könnte in Kombination mit Antibiotika auch in diesem Bereich Leben retten.

  572 Millionen Kinder weltweit waren im November 2020 von Schulschließungen betroffen. Für viele Kinder bedeutet dies verlorene Bildungszeit. Nicht überall besteht die Möglichkeit, auf Fernunterricht umzusteigen. Nicht jeder kann sich eine Internetverbindung und einen Computer leisten. Hinzu kommt, dass weltweit etwa 840 Millionen Menschen ohne Strom sind. Gerade für Kinder, die unter solchen Bedingungen leben, ist der Schulbesuch oft der einzige Weg aus der Armut. Doch die Hilfsorganisation „Save the Children“ prognostiziert, dass 10 Millionen Kinder vielleicht überhaupt nicht mehr in die Bildungseinrichtungen zurückkehren können. Der Grund: Ihre Familien sind wegen mangelnder Jobchancen in der Corona-Krise in den finanziellen Abgrund gestürzt. Kinder müssen helfen, das verlorene Einkommen der Eltern auszugleichen.

Weltweit müssen zurzeit etwa 150 Millionen Minderjährige arbeiten. Laut UNICEF ist die Hälfte von ihnen sogar ausbeuterischen und sklavischen Bedingungen ausgesetzt. Die Gesundheit der Kinder wird durch den schlecht bezahlten Job gefährdet. Nachdem die Zahl der arbeitenden Kinder 20 Jahre lang rückläufig war, könnte sie 2020 zum ersten Mal wieder deutlich ansteigen. Es entsteht ein Teufelskreislauf, der über Generationen reicht. Kinder müssen arbeiten, können deshalb nicht zur Schule gehen und erhalten keine Ausbildung. Dadurch haben sie keine Chance, einen gut bezahlten Job zu ergattern und ihren eigenen Kindern ein anderes Leben zu ermöglichen.

  Man kann es drehen und wenden, wie man will: Unter Einhaltung der nötigen Schutzmaßnahmen sollen Schulen weltweit geöffnet bleiben. Sie müssen es. Kinder brauchen einen Ort, an dem sie sich wohlfühlen und möglicherweise ihre einzige warme Mahlzeit am Tag zu sich nehmen können. Da vielerorts Schulausspeisungen ausfallen, werden laut Angaben von UNICEF 40 Prozent weniger Kinder von Ernährungsprojekten erreicht.

  All diese Fakten zeigen, dass Kinder weltweit unsere Hilfe brauchen. Wir dürfen uns nicht nur noch ausschließlich die Bekämpfung des Coronavirus zum Ziel setzen, sondern müssen versuchen, althergebrachte Missstände ein für alle Mal aus der Welt zu schaffen. Jede Handlung in dieser Pandemie muss gut durchdacht, mögliche Konsequenzen müssen abgewogen werden. Wir müssen unser Blickfeld erweitern, um die derzeitige Situation vielseitig zu betrachten. Medien und Politik sollen uns nicht nur über die Anzahl der Corona-Fälle und die ausschließlich darauf basierenden Verordnungen und Gesetze informieren, sondern müssen uns auch auf die globalen Nebenwirkungen aufmerksam machen. Wenn wir Armut mit demselben Engagement wie Corona bekämpfen würden, könnte dann nicht viel mehr Menschen geholfen werden? Es sollte mehr Geld in den Ausbau von Sozialschutzsystemen und Hilfsprogrammen fließen. Es ist Zeit, etwas zu ändern. Es ist Zeit, Kindern ihre Rechte zurückzugeben.

 

Eva Hell, 3bS


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